ACHIMKOENIG
  Offener Brief Baum (FDP) und Gauland (AfD)
 

Berlin, im Juni 2016

 

Werter Herr Baum (FDP), werter Herr Gauland (AfD),

 

hallo, Herr Baum, ich habe bei NTV das Duell gesehen zwischen Ihnen und Herrn Gauland. Sinngemäß sagen Sie, Fremdenfeindlichkeitsgefühle müssen der Verstand und die Vernunft verhindern, oder so ähnlich drückten Sie sich aus.

 

Ich muss Ihnen leider sagen, Sie sind wissenschaftlich schlecht informiert. Sie haben keine Ahnung, welche Macht Gefühle über uns Menschen haben. Hirnforscher haben herausgefunden, ich zitiere aus dem Zusammenhang: Freude und Trauer, Liebe und Hass, Wut und Angst, Zorn und Ekel, Begeisterung, sexuelle Erregung, Aggressivität, Glück und Furcht sind Gefühle, und die haben die eigentliche Macht über uns Menschen, wie wir uns erleben, wie wir handeln. Vernunft und Verstand prägen das menschliche Verhalten in viel geringerem Ausmaß als wir gemeinhin vermuten. Wir haben über unsere Gefühle keine willentliche Kontrolle. Zitat Ende.

 

Und bemerkenswert ist auch das, was der Philosoph Arthur Schopenhauer schon vor zirka 200 Jahren erkannt hat, dass wir unsere Vernunft nicht überschätzen sollen, unser Wille, also unsere Triebe, sind in der Regel stärker. Zitat Ende.

 

Werter Herr Baum, werter Herr Gauland, das Fremdenfeindlichkeitsgefühl ist uns Menschen genauso wie das homosexuelle Gefühl angeboren und angeborene Gefühle kann man niemals verbieten, weder Homosexualität noch Fremdenfeindlichkeitsgefühle. Deshalb erleben wir nur dann keine fremdenfeindliche Gefühle, wenn es sehr wenige vereinzelte Fremde bei uns gibt, die unsere Vertrautheitsgefühle in unserer Gruppe nicht zerstören können. Das tun nur fremde Gruppen. Es gibt nur eine Gruppenfremdenfeindlichkeit und wer fremdenfeindliche Gefühle erlebt, der erlebt noch lange keinen Fremdenhassausbruch.

Fremdenfeindliche Gefühle sind nützliche Gefühle, sie warnen uns nur vor einer Gefahr der Überfremdung meiner Gruppengemeinschaft. Im Übrigen, wenn Sie für Religionsfreiheit sind, Herr Baum, dann zerstören Sie die Würde des Menschen, die unantastbar ist, die Verstümmelung, die Beschneidung von Kindern, die nicht selbst entscheiden können, ob sie beschnitten werden wollen oder nicht, verstößt gegen die Würde dieser Kinder. Wollen Sie das abstreiten? Kein deutscher Arzt ohne Migrationshintergrund würde bei einem gesunden Kind einen chirurgischen Eingriff vornehmen und womöglich das Kind dabei ungewollt verletzen, was auch niemals gänzlich ausgeschlossen ist. Nur aus religiösen Gründen wird wohl kein deutscher Arzt ohne Migrationshintergrund so einen chirurgischen Eingriff mit der Würde des Menschen, mit der Würde dieses Kindes, vereinbaren können. Wollen wir darauf wetten, Herr Baum? Was sagen Sie dazu?

 

Herr Baum, ich werfe Ihnen nun vor, Sie haben keine Ahnung von Menschen, keine Ahnung über die Macht ihrer Gefühle, die man allenfalls mit Strafandrohung, mit Knaststrafe etwas zähmen kann, etwas unterdrücken kann, aber niemals verhindern kann und Sie führen Deutschland mit Ihrer Beweihräucherung, mit Ihrer Fremdenliebe, ins Chaos. Denn der Journalist Jörges sagte einmal, Deutschland wird das multikulturellste Land der Welt werden, Herr Baum, das ist wohl ganz in Ihrem Sinn.

 

Für mich heißt das, Deutschland versinkt endgültig im Chaos und schafft sich, wie Thilo Sarrazin es schon einmal bezeichnete, selber ab. Ich sage, dank Leuten wie Sie es sind, Herr Baum.

 

Werter Herr Gauland, nun zu Ihnen. Ich habe bei Ihrem Duell nicht ein einziges Wort über die Beschneidung von Kindern gehört, das war ja am Anfang auch ein Thema der AfD und überzeugte mich auch. Ich zitiere: Empörung löste den Plan der AfD aus, künftig Beschneidungen jüdischer und muslimischer Jungen unter Verbot zu stellen. Zitat Ende.

 

Es hieß einmal, die Beschneidung des männlichen Kindes sei als verfassungs- und rechtswidrig abzulehnen. Begründung: Der Ritus verstoße gegen die Menschenwürde und missachte die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung der betroffenen Kinder.

 

AfD-Chefin Frauke Petry verwies gegenüber BILD lediglich auf die Abwägung zwischen körperlicher Unversehrtheit gesunder Kleinkinder und der Religionsfreiheit, die sowohl in der AfD wie auch unter Verfassungsrechtlern umstritten sei. Zitat Ende.

 

Damals hat mich die AfD nun sehr überzeugt, AfD zu wählen, aber nun blicke ich nicht mehr durch! War das alles falsch, was die AfD einmal gesagt hat? Hat sie uns belogen? Oder sind sie jetzt nur mutlos geworden, haben Angst vor ihrer eigenen Courage, Herr Gauland? Mit solch einem Zurückfahren Ihrer ursprünglichen Meinung machen Sie nur diejenigen stark, die Ihnen vorwerfen, dass Sie erst so reden und anschließend alles wieder relativieren oder sich wenigstens entschuldigen.

 

Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, Ihr Parteitag hat beschlossen, darüber nicht mehr zu reden, schafft das, was Sie einmal als AfD gesagt haben, auch nicht mehr aus der Welt. Ich frage, warum stehen Sie heute nicht mehr zu dem, was die AfD gesagt hat? Ist die Beschneidung etwa doch nicht gegen die Würde des Menschen, die ja unantastbar ist? Was sagen Sie einem AfD-Wähler nun dazu?

 

Werter Herr Gauland, werter Herr Baum,

der bekannte Journalist Hans-Ulrich Jörges sagte einmal beim „Presseclub“ bei der ARD: „Deutschland wird das multikulturellste Land der Welt werden“. Und seine Hoffnung ist: „Das ist eine gute Sache!“. Angela Merkel aber sagt, Multikulti funktioniert nicht; Multikulti ist gescheitert.

Wie können nun zwei so intelligente Menschen so verschiedener Meinung sein? Ich frage nun, werter Herr Baum, werter Herr Gauland, was würden Sie von einem politischen Duell zwischen Hans-Ulrich Jörges und Angela Merkel halten?

 

Es grüßt

Joachim König

 
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